
Youngest son
Vito is the youngest in the family and the whole world is a wonder to him. He asks 'why?' twenty times a day — why is the sky blue, why does the dog have a tail, why does grandma put salt in the soup. He wants to touch everything, pick up every stone, look at every bug up close. He adores his older brother Pino and follows him everywhere. He's happiest when sitting in grandpa Otto's lap listening to a story, or running after Jole around the yard. He doesn't yet understand everything the adults say, but he feels everything — and that's what makes him special.

Pino und Vito sprangen aus dem Auto und rannten in Richtung Lucas Bauernhof. Das hohe Gras leuchtete gelbgrün in der Sonne, und irgendwo in der Ferne war das I-Ah des Esels Berto zu hören. "Warum schreit der Esel so laut?" fragte Vito, seine Augen weit geöffnet. Pino kicherte, als Luca von der Scheunentür winkte. "Komm schon, ich zeige dir alles!" rief Luca. Aber Jole stand erstarrt unter dem alten Feigenbaum und starrte die sich nähernde Ziege an. "Dad, was ist mit Jole?" fragte Pino.

Es war ein typischer Nachmittag in Vallumora, als Maria bemerkte, dass Loli fehlte. „Loli!“ rief Maria, aber es kam keine Antwort. Vito begann zu weinen, während Pino nervös in der Küche auf und ab lief. „Wo ist Loli?“ fragte ein besorgter Pino. Niemand hatte eine Antwort. „Wir müssen sie finden!“ erklärte Maja und begann bereits, ein Plakat mit Lolis Bild zu zeichnen. Doch während sie sich versammelten, um den Suchplan zu besprechen, hörten sie ein ungewöhnliches Geräusch aus dem Dachboden...

Im Hinterhof lag eine kaputte Schaukel, und Dundo und Pino machten sich bereit, sie zu reparieren. Der kleine Vito saß auf dem Gras und hielt eine Kiste mit Schrauben, während Jole herum schnüffelte und gespannt darauf wartete, ihm helfen zu dürfen. "Wie wollen wir das reparieren, Papa?" fragte Pino, während Eva lächelnd von dem Fenster aus zusah.

Als Vito sechs Jahre alt war, bemerkte er, dass der Mond ein Loch hatte. Zumindest sah es so aus – jede Nacht wurde der Mond kleiner und kleiner, als ob ihn jemand anknabbern würde. „Mama, der Mond bricht!“ rief er eines Nachts. Mama lachte. „Das sind die Phasen, Matej. Der Mond bricht nicht.“ Aber Vito war nicht überzeugt. Er nahm Kleber, Klebeband, Flicken und eine Taschenlampe und packte sie in seinen Rucksack. „Ich werde den Mond reparieren,“ kündigte er an. Sein Vater, der im Wohnzimmer saß und die Zeitung las, senkte seine Brille und schaute seinen Sohn an. Die meisten Eltern würden sagen: „Sei nicht albern.“ Oder: „Geh schlafen.“ Aber Vitos Vater war nicht wie die meisten Eltern. „In Ordnung,“ sagte er. „Aber du wirst Hilfe brauchen. Ich kenne jemanden, der einmal dasselbe versucht hat.“ Vito schaute ihn mit weit offenen Augen an. „Wer?“ „Ich. Als ich in deinem Alter war, wollte ich auch etwas reparieren, das nicht repariert werden konnte. Komm, ich erzähle dir, was passiert ist...“

In der Nachbarschaft am Fluss lebte ein Hund, den alle Jole nannten. Er war braun, mit einem weißen Ohr, und soweit sich irgendjemand erinnern konnte — war er immer schon dort gewesen. Alte Großmütter behaupteten, sie erinnerten sich an ihn aus ihrer Kindheit. "Unmöglich", sagten die Jungen. "Hunde leben nicht so lange." Aber Jole war anders. Er hatte eine Narbe an seiner Pfote, hinkte auf seinem Hinterbein, ein Auge war zu, und sein Schwanz hatte einen Knoten. Jede Verletzung hatte ihre eigene Geschichte. Der kleine Filip, der gerade in die Nachbarschaft gezogen war und keine Freunde hatte, saß jeden Tag auf den Stufen vor seinem Gebäude und beobachtete Jole, wie er vorbeiging. Eines Tages setzte sich der Hund neben ihn und — Vito hätte schwören können — sah ihn mit diesem einen Auge an, als ob er ihn verstand. "Alle sagen, du hast neun Leben gelebt," flüsterte Vito. "Ist das wahr?" Der Hund bellte. Und die alte Maria, die im Erdgeschoss lebte und alles hörte, öffnete ihr Fenster und sagte: "Jole hat nicht neun Leben gelebt, Junge. Aber neunmal wäre er fast gestorben. Und jedes Mal hat er etwas gelernt, das die Menschen nicht wissen..."

Hana hatte eine seltsame Angewohnheit. Jedes Mal, wenn es regnete, rannte sie mit einem leeren Glasgefäß in den Garten und sammelte Regenwasser. Auf den Regalen ihres Zimmers standen mehr als hundert Gläser, jedes mit einem Datum und einem kleinen Etikett. „Lana, warum sammelst du Regen?“ fragten sie in der Schule. Die Kinder lachten. „Es ist doch nur Wasser!“ Aber Hana wusste etwas, das die anderen nicht wussten. Ihre Großmutter, die in einem Dorf auf der Insel lebte, hatte es ihr beigebracht, bevor sie starb. Sie sagte ihr nur einen Satz – einen Satz, den Hana nie jemandem wiederholt hatte. Eines Tages traf die schlimmste Dürre seit fünfzig Jahren die Stadt. Parks wurden gelb, Brunnen trockneten aus, die Menschen warteten in Schlangen auf Wasser. An diesem Abend saß Hana auf dem Boden ihres Zimmers, umgeben von Gläsern, und öffnete zum ersten Mal das älteste – das, das sie mit ihrer Großmutter gefüllt hatte, am letzten Tag, an dem sie zusammen waren. Als sie den Deckel öffnete, roch sie etwas, das sie für einen Moment innehalten ließ...

Maja erbte die Taschenuhr ihres Großvaters. Sie war alt, zerkratzt, und – sie lief langsam. Genau drei Minuten jeden Tag. „Mama, warum hat mir Opa eine kaputte Uhr hinterlassen?“ fragte sie eines Abends, während sie auf dem Balkon saßen. Mama nahm die Uhr in ihre Hände, drehte sie um und zeigte ihr die Rückseite. Dort war eine kleine Inschrift eingraviert, die Maja schon vorher bemerkt, aber nie gelesen hatte. Die Buchstaben waren winzig, abgenutzt von den Jahren, in denen sie getragen wurde. Maja hielt die Uhr vor ihre Augen und begann zu lesen. Als sie fertig war, zitterten ihre Hände. „Mama… das kann nicht wahr sein?“ Mama nickte nur. „Dein Großvater hat mir diese Geschichte nur einmal erzählt. Am Tag meiner Hochzeit. Er sagte, der Tag würde kommen, an dem du bereit sein würdest, sie auch zu hören. Ich denke, dieser Tag ist heute.“

„Papa, warum gehen wir immer diesen längeren Weg?“ fragte Vito und schaute den steilen Pfad hinauf zum Hügel. Unten im Tal konnte er die Straße sehen – flach, gepflastert, einfach. Sein Vater klopfte ihm auf die Schulter. „Weil es oben etwas gibt, das du sehen musst.“ Sie gingen fast eine Stunde. Vitos Atem war schwer, seine Beine müde. Er war kurz davor aufzugeben, als sie den Rand der Klippe erreichten. Vor ihnen standen zwei Bäume. Der eine war enorm, stark, mit einer Krone so breit, dass sie einen Schatten über die Hälfte der Klippe warf. Seine Äste widerstanden dem Wind, der unaufhörlich in dieser Höhe blies. Der andere Baum, kaum fünf Meter entfernt, war trocken, zerbrochen, fast tot. Er quietschte nur traurig im Wind. „Beide Bäume wurden am selben Tag, aus demselben Samen gepflanzt,“ sagte sein Vater leise. Vito sah ihn verwirrt an. „Das ist unmöglich. Schau sie dir an – sie sehen aus, als wären sie hundert Jahre auseinander.“ „Der Unterschied liegt nicht in den Jahren, Sohn. Der Unterschied liegt in etwas, das passiert ist, als beide Bäume gerade fünf Jahre alt waren…“